Idea UNIKA 2025

Ert tl zënter - 10-jähriges Jubiläum

Zeitgenössische Skulptur und Malerei in den Zentren von St. Ulrich, St. Christina und Wolkenstein.
Vom Juli bis September 2025

Teilnehmende Künstler

„Ie é na idea“ – ich habe eine Idee! Mit diesen Worten, ausgesprochen von einem Künstler der UNIKA-Gruppe, wurde vor zehn Jahren eine neue und ambitionierte Kulturinitiative ins Leben gerufen: Idea UNIKA – ert tl zënter. Heute feiern wir das 10-jährige Jubiläum dieser Biennale, die es sich seit ihrer Gründung zur Aufgabe gemacht hat, die Kunst aus der jahrhundertealten Tradition und Meisterschaft des kunsthandwerklichen Schaffens im Grödner Tal zu würdigen.

Idea UNIKA bringt die Kunst in das Herz der Grödner Dörfer und verwandelt öffentliche Räume in Orte der Begegnung und des Dialogs zwischen Kunstwerken, Künstlern und Publikum. Für diese besondere Jubiläumsausgabe präsentieren acht Künstler und Künstlerinnen der UNIKAGruppe neue Skulpturen und Installationen – Werke, die aus Kreativität, kunsthandwerklichem Können und der Liebe zu natürlichen Materialien entstanden sind. Jeder Künstler wählte eigenständig Thema, Material und Größe seiner Werke und trägt so zu einer Ausstellung bei, die die beeindruckende Bandbreite und kreative Ausdruckskraft des heimischen Kunsthandwerks eindrucksvoll zur Geltung bringt.

Die Veranstaltung wird zum sechsten Mal von der Künstlervereinigung UNIKA organisiert – in Zusammenarbeit mit den Gemeinden St. Ulrich, St. Christina, Wolkenstein, Kastelruth und Lajen, sowie mit den Tourismusvereinen des Grödner Tals – und hat sich als unverzichtbares kulturelles Ereignis etabliert, das alle zwei Jahre stattfindet.

Anlässlich dieses besonderen Jubiläums treten acht Künstler mit ihren Werken in einen Dialog mit dem urbanen und natürlichen Raum und bieten dem Publikum einen authentischen Einblick in die Lebendigkeit der Grödner Bildhauertradition – neu interpretiert in zeitgenössischer Form. Die Freiluftausstellung wird von Nicoletta Tamanini, Kuratorin aus Rovereto, betreut.

St. Ulrich St. Christina Wolkenstein Holzknecht Christian STL Kreuzer Rupert Elias Piazza Ivo Senoner Wilhelm Armin Grunt Armin Grunt Armin Grunt Senoner Fabrizio Zuckermann Chelita Sieff Matthias

Kreuzer Rupert Elias

Anna

St. Ulrich, Promenade

Die durch ein tiefes zeitgenössisches Empfinden gekennzeichneten Werke von Rupert Elias Kreuzer zeugen von klaren und unauflöslichen Banden mit der großen Grödner Holzbildhauerei. Sie zeigen aber vor allem auch die Verbindung zu dem unaufhaltsamen und unbezähmbaren Impuls der jungen, in Gröden geborenen oder ausgebildeten Künstler, die neue Ausdrucksformen oder zu den gewohnten Formen alternative Stilelemente entwickeln. Die Protagonisten seiner Werke sind oft Jugendliche, also Wesen, die sich in ständigem Wachstum und ständiger Wandlung befinden, draufgängerisch und doch unsicher, gleichzeitig fröhlich und melancholisch, introvertiert, aber auch hungrig nach einer Beziehung, einem sinnvollen Dialog. „Anna“, die einzigartige, vom Künstler für diese Biennale geschaffene Skulptur, ist eine wundervolle und gelungene Synthese eines solch verzwickten und komplexen Wirrwarrs der Gefühle und Impulse. Die dargestellte junge Frau ist zwar an ihren eigenen Wurzeln verankert. Zugleich aber erscheint sie mit ihren symbolisch in Zweige verwandelten Armen, die sich weit in den Raum recken, freudig in eine Zukunft projiziert, die voller Abenteuer, Wissen und positiver Antworten steckt. Jedoch ist diese junge, nach Frieden strebende Kreatur noch auf der Suche nach einer eigenen emotinalen Stabilität, nach einem psychischen und geistigen Gleichgewicht, das sie als Frau und Mensch zu vollständigem Leben und Bewusstsein führt.

Holzknecht Christian STL

Die vier Elemente

St. Ulrich, Kulturhaus

Der in einer Malerfamilie aufgewachsene Christian Stl, der selbst lange Zeit als Fassmaler tätig war und sich dann in Florenz spezialisiert hat, war schon immer vom menschlichen Körper und insbesondere Antlitz fasziniert. Als tiefgründiger Analytiker der tausend emotionalen Facetten, die jeder Kreatur zu eigen sind und die er in ihrer Verschlungenheit in seinem jüngsten Zyklus über die „Sieben Todsünden“ aufzeigt, hat der Künstler jetzt eine genaue und tief reichende Reflexion über das erarbeitet, was für den heutigen Menschen wirklich wesentlich ist: In einer Zeit der Hypervernetztheit, des übermäßigen Medienkonsums und der unkontrollierten Anhäufung von Dingen wendet Christian Stl nämlich seine Aufmerksamkeit den vier Elementen Erde, Wasser, Luft und Feuer zu, die in allen Kulturen als die grundlegenden Bestandteile der Natur gelten. Daraus entstehen große und vereinnahmende Werke, in denen der schnelle und spontane malerische Ausdruck und eine gekonnte Farbgebung gut mit der evokativen Kraft und der Wärme des Feuers, mit der ätherischen, unendlichen Natur der Luft und der starken Umarmung des Wassers harmonieren, das alles umfasst und mit sich reißt. In dem großen Werk, das er der Erde gewidmet hat, bringt der Künstler schließlich erneut sein Interesse für den menschlichen Körper zum Ausdruck. Er entwirft eine Art von Giganten, vielleicht ein neuer, moderner Golem, der, nachdem er aus roher Materie entstanden ist, unversehens und von tausend Funken animiert, zum Leben erwacht. Nur von all dem kann und muss der Mensch ausgehen für seine Wiedergeburt…

Piazza Ivo

Wooow… eine herrliche Aussicht

St. Ulrich, Fußgängerzone

Als aufmerksamer Schüler der großen Grödner Holzschnitzertradition war der Ausgangspunkt des Schaffens von Ivo Piazza die Skulptur mit religiöser oder geistlicher Thematik. Davon hat er sich mit der Zeit entfernt, um sowohl ausgesuchte Figuren im feinen Gleichgewicht zwischen dem eleganten gotischen Stil und den Kanons der klassischen Darstellung als auch abstraktere Kompositionen zu entwerfen, die sich durch eine meisterliche Verbindung zwischen formalen und volumetrischen Elementen der Werke auszeichnen. Piazza ist ein hervorragender Zeichner und profunder Kenner aller Arten von Holz. Er findet sein Interesse für die menschliche Figur aktuell in einer sehr zeitgenössischen Darstellung wieder. Nachdem er die Formen gestrafft und willentlich jedes Erkennungselement unterlassen hat, konzentriert sich die Aufmerksamkeit des Künstlers insbesondere auf das Aussehen eigenartiger Wesen, die aufgrund der langen Gesichtsform, dem langen Hals und dem nur angedeuteten Körper eine stark totemartige Bedeutung annehmen. Die großen Brillen, die den Blick der drei Personen verbergen, und die Farbgebung der Figuren, die das Fußgängerzentrum von St. Ulrich schmücken, sorgen einerseits mit ihrer zurückhaltenden Ironie für Leichtigkeit im gesamten Ensemble. Andererseits hüllen sie diese Erscheinungen in ein noch größeres Mysterium, indem sie zu authentischen Zugangstoren zu einer zukünftigen Welt werden oder vielleicht zu außerirdischen Wesen, die hier in Erstaunen über die Schönheit der Dolomiten und ihrer Dorfzentren verharren.

Senoner Wilhelm

Der Rhythmus des Daseins

St. Ulrich, Antonius Kirche

Die Welt, in der sich Wilhelm Senoner bewegt, ist eine wissende Welt, die Tiefgang besitzt. Der Maler und Bildhauer ist in St. Ulrich in einem von der Kunsttradition geprägten Kontext geboren und aufgewachsen, der ihm dazu verholfen hat, sein natürliches Talent zu entwickeln und zu einem auf nationaler und internationaler Ebene bekannten Künstler zu werden. Seine stilisierten, mächtigen und massiven Figuren, die sich durch raue Oberflächen und felsengleich geschliffene und zugespitzte Profile auszeichnen und aus Lindenholz, Acrylfarben, Erde und Leim entstanden sind, verdanken ihre Inspiration den Dolomiten, wie der Künstler selbst unterstreicht. Seine enigmatischen Erscheinungen sind die meisterliche Entwicklung einer Bildhauerei, die sich seit der romanischen Zeit, unter Einbeziehung von Erfahrungen und Anregungen der großen Meister der Kunstgeschichte, in einer zukunftsfähigen Gegenwart manifestiert. Eine neue Welt, in der formaler Minimalismus und Spuren eines kenntnisreichen Archaismus totemgleiche Wesen entstehen lassen, die durch eine offensichtliche, jedoch andersartige Heiligkeit gekennzeichnet sind. Das Werk „Der Rhythmus des Daseins“ unterstreicht mit der Kraft seiner Körperlichkeit und einer unzweifelhaft starken Ausdrucksfähigkeit, die durch eine unauflösbar mit der Materie Berg verbundene Farbgebung noch bewusst gesteigert wird, die Dringlichkeit der Wiedergewinnung einer Dimension, in der das menschliche Wesen, wenn auch stets in prekärem Gleichgewicht, das ganze irdische Abenteuer unbeschwert, vertrauensvoll und in vollem Umfang durchläuft.

Armin Grunt

Natalem quo vadis?

St. Urlich, Antoniusplatz
St. Christina, Gemeindeplatz
Wolkenstein, Kirchplatz

Unkonventionell und originell – der unaufgeregte, expressionistische Stil von Armin Grunt ist sein Markenzeichen. Ausgehend von einer darstellenden Ausrichtung hat sich der Künstler allmählich davon entfernt und eine Sprache entwickelt, die „ohne jegliche Selbstgefälligkeit oder Affektiertheit, einfach aber wirkungsvoll“ ist. Indem er die besonderen Eigenschaften des von ihm verwendeten Holzes respektiert, gelingt es Grunt wie wenigen anderen, in die Komplexität der menschlichen Seele einzudringen und das Thema des Dialogs und der Beziehungen in wahrhaft zeitgemäßem Stil zu behandeln. Nachdem er zunächst die Dimensionen seiner außergewöhnlichen und einprägsamen Figuren verlängert hat, liebt es der Künstler nun seit einigen Jahren Figurengruppen mit starker visueller und emotionaler Wirkung zu schaffen, in denen die einzelnen Bildsäulen modulare Elemente einer umfassenderen Erzählung darstellen. In dieser Ausstellung analysiert Grunt das Thema von Christi Geburt, das für die traditionelle Grödner Holzschnitzerei lieb und teuer, identitätsstiftend und vielleicht auch selbstverständlich geworden ist. Grunt wagt mit seinem einzigartigen Stil auf innovative Weise eine mutige Neuinterpretation. Sein Werk „gemeinsam Gehen“ ist voller Bedeutung und Spiritualität: eine diffuse Krippe, die in drei unterschiedlichen Skulpturengruppen vor den Kirchen von St. Ulrich, St. Christina und Wolkenstein aufgestellt ist.

Senoner Fabrizio

Do la saison

St. Christina, Fußgängerzone

Fabrizio Senoner hat in jungen Jahren beim Vater Silvio gelernt und seine Ausbildung dann an der Universität Innsbruck abgeschlossen. Er ist ein Freigeist mit spielerischer Ader und gepflegter Ironie. So vielseitig er auch ist in der Wahl seiner Sujets und seiner Maltechniken – ob Öl, Acrylfarbe, Bleistift und Spray oder kreative Formen, wie mediale oder digitale Anwendungen – verbirgt der Künstler doch hinter dieser schillernden und ausufernden Fassade, die er ständig weiterentwickelt, eine ausgeprägte Sensibilität und besondere Feinfühligkeit in Verbindung mit poetischem Tiefgang. Ein Beleg dafür ist das große Wandgemälde, das der Künstler einem älteren Herrn mit dem typischen Südtiroler Schurz gewidmet hat, einem wissenden, abgeklärten Menschen in einem kurzen Moment des Ausruhens. Wie schon der ladinische Spruch „Nach der Saison ist vor der Saison“ auf der Schürze des Alten besagt, wird der unermüdliche Einsatz der Bergbevölkerung hervorgehoben, von Menschen, die wertvolle Zeugen eines vom Rhythmus der Natur bestimmten Daseins und Bewahrer einer ebenso fragilen wie kostbaren Umgebung sind. Die Falten im Gesicht trägt dieser Herr mit Stolz, sein aufmerksamer, versteckt ironischer Blick vermittelt eine beruhigende Bodenständigkeit im chaotischen Treiben eines Zeitgeschehens, das die eigenen Wurzeln vergisst, vielleicht sogar willentlich negiert, und auf diese Weise den wahren Sinn der menschlichen Existenz verliert.

Zuckermann Chelita

Orca Baby

St. Christina, Fußgängerzone

Phantasie. Leichtigkeit, Dynamik und ausgeprägte Lebensfreude ..., das sind die Gefühle, die der junge, aus Edelstahl geschmiedete Schwertwal von Chelita Zuckermann in uns weckt. Die Künstlerin, einzige weibliche Teilnehmerin an der Idea UNIKA 2025, ist in Mexiko geboren, wo sie bis 2006 als Architektin tätig war. Der Kunst und insbesondere der Malerei hat sie sich erst nach und nach zugewandt. Die beste Möglichkeit, ihre ursprüngliche Berufsausbildung mit der ihr schon immer eigenen übermütigen Kreativität zu kombinieren, hat sie jedoch in ihrer eigenen bildhauerischen Sprache entdeckt, in der Metall und Stahl die Hauptrolle spielen. Da sie schon in ihrer Jugend von der üppigen Natur ihrer Heimat fasziniert war, ermöglicht Zuckermann Pflanzen, Insekten und anderen Tieren – oft Meeresbewohnern – eine Neugeburt in Dimensionen, Farben und Inhalten, die von deren ursprünglicher Natur abweichen. Sie nimmt somit vielleicht schon prophetisch die jüngsten Ergebnisse einer robotergesteuerten Viehwirtschaft vorweg und übergibt sie als Ikonen einer nahen Zukunft an die kollektive Vorstellungswelt. Als Ergebnis einer genauen biologischen Studie und stets sorgfältiger technischer Planung sowie einer ebenso präzisen wie maßstabgetreuen Umsetzung ist der kleine Schwertwal als atavistische Erinnerung an die Zeit, als die Dolomiten noch am Meeresboden ruhten, das unbestrittene Symbol für vitale individuelle und kollektive Energie, die sich in Synergie und Kooperation zwischen den Menschen verwandelt.

Sieff Matthias

Sonne und Mond

Wolkenstein, Nivesplatz

Nach Beendigung seiner Ausbildung an der Universität für angewandte Kunst in Wien hat Matthias Sieff eine ganz eigene Bildsprache entwickelt, in der die Figur zwar Protagonist einer auf den Flügeln von Mythos und Phantasie getragenen Erzählung bleibt, die eigenen Dimensionen jedoch durch deren hypotrophische Entwicklung verwandelt. Aufrechte Haltung, kraftvolle Körperlichkeit, robuste und stabil geerdete Gliedmaßen, stolzer und aufmerksamer Blick aus großen, weit aufgerissenen Augen: Die enigmatischen Figuren von Matthias Sieff sind rätselhafte Erscheinungen, auf die sich viele Interpretationsansätze anwenden lassen. Sie könnten Klonen einer archaischen und ursprünglichen Ikone sein, würdevolle und wahrhafte Zeugen einer unendlichen Erzählung, die sich der Schnelllebigkeit unserer Zeit entgegenstellt, oder auch, im Gegenteil, gleichgültige außerirdische Wesen, die dem menschlichen Treiben feindselig begegnen. In diesem Fall hingegen konzentriert sich die Aufmerksamkeit des Künstlers auf zwei blaue Himmelskörper, Sonne und Mond, die als „Gestirne“ bezeichnet werden, da sie Tag und Nacht erhellen. Zwei Sterne, starke und weithin in vielen Kulturen als göttliche Figuren anerkannte Symbole, stellen die Vorstellung von Dualität und von Gleichgewicht zwischen sich ergänzenden Gegensätzen dar, definieren das Weibliche und das Männliche der Natur und vervollständigen den Rhythmus des Lebens. Die Verwendung lebhafter und brillanter, vom Küsntler sorgsam ausgesuchter Farbtöne auf den Statuen erinnert dabei nachdrücklich an die große ladinische und fassanische Tradition, der sich der Künstler zurechnet.